GW2672m (Grindi) · Governance-Architektur, Transparenzinstrumente und Verhältnismäßigkeitsprüfung im Wolfsmanagement Baden-Württemberg

Wolf und Jagd – Systemisches Versagen und ökologische Chance

Stand: 29.01.2026

Im Januar 2026 wurde in Deutschland erneut sichtbar, wie stark sich das institutionelle Jagdsystem von ökologischen Realitäten entfernt hat. Eine Reihe von Vorfällen – von der angeschossenen trächtigen Ricke in Lennestadt über Jagdunfälle in Oldenburg und Warburg bis zur anhaltenden Rotwildpolitik in Hessen und Baden-Württemberg – zeigen ein Muster menschlicher Übersteuerung. Während Wildtiere an menschlichen Regeln zerbrechen, demonstrieren Wölfe in Regionen wie Graubünden, wie natürliche Regulation tatsächlich funktioniert.

In der Schweiz, insbesondere in Graubünden, haben sich seit 2012 stabile Wolfsrudel etabliert. Ihre Präsenz verändert das Verhalten von Rehen und Hirschen, reduziert Verbiss und erlaubt die natürliche Rückkehr empfindlicher Baumarten – etwa der Weißen Tanne (Abies alba). Diese Waldregeneration, die jahrzehntelang durch Überbejagung und hohe Huftierdichten blockiert war, entsteht dort, wo der Wolf wirkt – nicht, wo Menschen kontrollieren wollen. Der Wolf ist kein Störfaktor, sondern ein ökologischer Reparaturmechanismus.

Dem gegenüber steht das deutsche Jagdsystem, das den Wolf als Gefahr behandelt, während es selbst weder Wald noch Wild stabilisiert. Im Fall des Hornisgrinde-Wolfs GW2672m wiederholt sich das alte Muster: menschliches Fehlmanagement wird als Sicherheitsproblem des Tiers umgedeutet. Der Abschussbefehl für einen einzelnen Wolf steht symptomatisch für ein System, das Verantwortung externalisiert, statt aus ökologischen Zusammenhängen zu lernen.

Die Wölfe von Graubünden zeigen, was die Jagd in Deutschland versäumt: Balance entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Interaktion. Wo der Mensch räumt, heilt der Wolf; wo der Mensch tötet, stagniert das System. Der Unterschied zwischen Baden-Württemberg und Graubünden liegt nicht im Verhalten des Wolfs, sondern in der Bereitschaft, seine Funktion zu verstehen.

Die Jagdpolitik, die trächtige Rehe duldet und Wölfe beseitigt, ist kein Ausdruck von Schutz, sondern von Stillstand. Der Wolf bietet eine Chance auf ein ökologisches Gleichgewicht, das Menschen seit Generationen nicht herstellen konnten. Ihn zu töten bedeutet, den letzten funktionierenden Mechanismus zur Selbstregulierung des Wildes zu beseitigen.


Weiterführende Quellen:

Hornisgrinde-Wolf GW2672m, Graubünden Wolf, Weiße Tanne, Waldregeneration, Lennestadt Reh, Jagdversagen, Wildtierpolitik Deutschland, Artenschutz, ökologische Koexistenz, Wild beim Wild, Berans-Pennet Analyse, Wolfsschutz, natürliche Regulation, Managementversagen, Baden-Württemberg, 2026.